Eine Kultur-Trekking Reise ins Königreich Bhutan

Hier berichte ich, Gerald Mayer, Sohn des Mayer Lama, von meiner ersten Asienreise. Das versteckte Königreich Bhutan am südöstlichen Himalaja gelegen ist wirklich sensationell, aber bitte lesen Sie selbst:

Eine Kultur-Trekking Reise ins Königreich Bhutan
Hier berichte ich, Gerald Mayer, Sohn des Mayer Lama, von meiner ersten Asienreise. Das versteckte Königreich Bhutan am südöstlichen Himalaja gelegen ist wirklich sensationell, aber bitte lesen Sie selbst:

Früh morgens brachen wir in Obertrum am See auf. Mit dem Auto nach Salzburg über die Autobahn in Richtung Flughafen. Wir passierten die Abfahrt Kleßheim, wobei ich noch ein letztes Mal an meine Schulkameraden dachte, die brav in der Tourismusschule waren und servierten, kochten oder sonst was machten.

Am Flughafen angelangt verabschiedeten wir – mein Vater und ich – uns von meiner Mutter und checkten ein. Der Flug Salzburg - Wien ging schnell vorüber. Eine gute halbe Stunde in etwa dauerte dieser, wobei es interessant war Österreich einmal aus der Vogelperspektive zu sehen. Es erscheint so sehr viel gebirgiger.

In Wien stießen wir auf unsere drei Reisekunden Günter, Christian und Gunter , wobei der Schmäh schon ab der ersten Minute losging. Nun gut, dachte ich mir, wird sicher lustig werden.

Nach kurzer Wartezeit stiegen wir in den Flieger der Austrian Airlines und starteten nach Delhi. Mein Vater war so frei, uns gleich in der Reihe hinter dem Emergency Exit zu platzieren, was hieß, dass wir in der einzigen fußfreien Economyreihe saßen.

Selbst verständlich hatten wir unsere kleinen dreibeinigen KTM-Stühle mit dabei um unsere Füße gemütlich hoch zu lagern. Also doch business class! 200 Romanseiten und fünf Gummibärchen später waren wir dann in Delhi, der Hauptstadt Indiens. Am Flughafen wurden wir zuerst von den Moskitos, danach vom ‚Captain’ Raj Kumar begrüßt, welcher unseren Transfer ins nahe liegende Hotel organisierte. Sich eine solche Verkehrssituation einmal vorzustellen, scheint schier unmöglich. Bunt bemalte Trucks von vor 30 Jahren, jede Menge Pkws, Mopeds mit helmlosen bzw. äkopflosen“ Fahrern und allesamt von einem Katalysator bzw. von Ruhestörung noch nie ein Wort gehört. Hupkonzerte aus allen Richtungen – und das mitten in der Nacht!

Alsbald im Hotel ergatterten wir noch einen Mitternachtssnack. Es war ein Genuss zu hören wie der Kellner auf Christians Frage, welchen Wein sie denn hätten, folgendes antwortete: "Red wine and white wine, Sir.“

Mit wohlgenährtem Bauch ging’s ab in ins Bett. Nur um dieses fünf Stunden später schon wieder zu verlassen. Wieder retour zum Flughafen, Transfer ca. 30 Minuten. Dort spielst sichs dann voll ab bei den Gates, die erste Herausforderung besteht darin, erst mal das Innere des Flughafengebäudes zu erreichen. Nach einigem Geschubse war dies geschafft.

Nach gut 2 Stunden haben wir dann das nicht sehr gastfreundliche Check In geschafft, halb verschlafen stiegen wir in den Flieger, wobei man bei dem in Delhi herrschenden Smog keinen Kilometer weit sehen konnte. äNicht gerade meine Destination.“ – so in etwa waren meine Gedanken.

Der kleine aber feine brandneue Jet der Drukair, der bhutanischen Fluglinie, brachte uns sicher an den Himalayas vorbei nach Bhutan. Ich hatte sogar die Ehre, ins Cockpit kommen zu dürfen um die höchsten Berge der Welt zu filmen. Dies wurde dadurch ermöglich, dass der bei uns zuständige Steward uns sofort an unserem KTM-Outfit erkannte und zugleich wusste dass WIR es waren, die in Bhutan von seinem Freund Kinley erwartet wurden. Ist schon eine feine Sache, wenn einem als einziger KTM-Motorradreisen-Veranstalter im Himalaya der Ruf vorrauseilt.

Wobei man auch den netten Bordservice der in Nationaltracht gekleideten bhutanischen Schönheiten unbedingt noch erwähnen sollte.

Haben Sie schon einmal ein Flugzeug verlassen nur um sich gleich danach vor einem Tempel wieder zu finden? Ich schon. Jedenfalls sah es auf den ersten Blick so aus. Der gesamte bhutanische Flughafen in Paro ist im authentischen Pagoden-Stil erbaut, dies war nicht nur auf den ersten Blick sehr beeindruckend.

Empfangen wurden wir von Kinley Tshering, dem Partner meines Vaters und Chef der Himalayan Adventures. Sogar Glücksschals wurden uns zur Begrüßung um den Hals gehängt. Die Stimmung war sehr angenehm, fast schon ein bisschen aristokratisch anmutend. Zuerst fuhren wir ins Mandala Resort Hotel,- sehr hübsch auf einer Seite des Parotals mitten in den Hang gebaut – direkt gegenüber des mächtigen Paro Dzongs liegend, für bestes Panorama war also schon mal gesorgt.

Der erste Programmpunkt war das Nationalmuseum im alten sechsstöckigen Wehrturm. Dieser liegt hoch über dem Tal bzw.über dem Paro Dzong und hatte früher die Aufgabe, rechtzeitig vor heranrückenden Feinden aus dem nördlichen Tibet zu warnen.

Wir bewunderten die Fülle an Skulpturen, Tankas, Schriften und alten Gebrauchsgegenständen. Die Geschichte und Staatsgründung des Bhutans wird hier sehr interessant präsentiert bzw. aufgearbeitet, auch die große bhutan. Markensammlung sowie ein eindrucksvoller Sakralraum im obersten Turmbereich mit der Darstellung der 4 großen Strömungen im Buddhismus sind mir in eindrucksvoller Errinnerung geblieben. Aufgrund des Fotografierverbotes gibt es keine Indoor Aufnahmen vom Nationalmuseum.

Danach fuhren wir zum berühmten Tigernestkloster Taktsang, besser gesagt den halben Weg legten wir zu Fuß zurück, zur Akklimatisation versteht sich. Am Aussichtspunkt angelangt hatten wir den besten Blick auf das Kloster aus dem 8. Jhdt. und wurden auch gleich mit einer Tasse Tee versorgt. In diesem pittoresk gelegenen Kloster hat der große Prophet in Bhutan,- Padmasambava im 8. Jhdt. 3 Monate lang meditiert, nachdem er zuvor auf einer Tigerin reitend, durch die Lüfte fliegend aus Tibet nach Bhutan gekommen war.

Nach dem Mittagessen besichtigten wir den imposanten Paro Dzong – eine gigantische Klosterfestung, die Teils für die Mönche, Teils für die Regierung in Verwendung steht. Diese archaischen Festungsbauten gehen alle auf Shabdrung Rin Poche zurück, der im 16.Jahrhundert im Zuge einer Religionsabspaltung mit seiner Gefolgschaft den südlichen Tibet verlassen hatte um hier eine neue Heimat zu finden. Welch großer Visionär muß dies gewesen sein, der schon damals solch eindrucksvolle Gebäude erschaffen liess!

Auf dem längeren Weg die Anhöhe hinauf trafen wir auf viele jugendliche BhutanerInnen – gerade aus der Schule kommend. Ich – im Gho (Nationaltracht für Männer) und forsch wie ich bin – musste natürlich gleich wieder jedes Mädel mit dem üblichen ‚Kuzo zangpo’ begrüßen, was mir viele lächelnde Gesichter und einiges Gekicher hinter meinem Rücken einbrachte. Nett!

Der Dzong war von innen noch gigantischer als von außen. In dem alten Bauwerk (aus dem 16 Jhdt) kommt man sich richtig klein vor. Hier war ich übrigens das erste Mal im Gho, der traditionellen Männerbekleidung der Bhutaner. Sobald man den inneren Bereich des Dzongs betritt, müssen alle Männer im Gho noch zusätzlich einen weißen Zeremonialschal tragen. Ansonsten wird der Eintritt verwehrt.

Wir bekamen dann von ein paar jungen Mönchen farbige Schnüre um den Hals gebunden – ‚For good luck and a long life’. Gut, was kann mir jetzt noch passieren?

Fröhlich wieder zurück im Resort durften wir ein Hotstonebath genießen,- Wellness auf bhutanesisch! Man sitzt in einer großen Indoor- Holzbadewanne, die in zwei Teile geteilt ist – einen für die heißen Steine, den anderen zum Baden. Von aussen wurde ein großes Rohr durch die Wand in den Raum geleitet, sobald man durch ein kleines Fenster schreit,- äone more stone please“,- donnert der nächste glühende Stein mit lautem Gescheppere durch eben dieses Rohr ins Wasser. Man kann so die gewünschte Temperatur durch Mischen mit Kaltwasser sehr genau individuell einstellen. Mann muß so was einfach mal erleben – nur nicht zu lange drin bleiben, sonst bekommt man das Gefühl gerade ein Bier zu viel hinter getrunken zu haben.

Nach dem Frühstück mit Eiern, Toast, usw. fuhren wir noch auf einen kurzen Besuch nach Paro äDowntown“, wo Kinley noch Geld für uns wechselte, er war wieder einmal erfolgreich auf der bank of bhutan, hahahaha, die haben die Moneten schon herausgerückt. Die Landeswährung ist der Ngultrum,- man spricht Nultrum, ein Euro hatte den Gegenwert von 57 Ngultrum.

Am nächsten Tag begann das Trekking. Mit einer 7-köpfigen Begleit-Mannschaft samt 10 Pferden, die die gesamte Ausrüstung schleppten, starteten wir unseren Weg gen Thimpu. Eines der kleineren Pferde, in etwa Haflingergröße, war das Leittier und dirigierte die anderen Pferde. Wir wanderten durch verzauberte Nadelwälder, wobei ich erfuhr und sah, dass es Mammutbäume doch nicht nur in den USA gibt.

Am ersten Tag waren im Zuge unseres Aufstiegs rund 1.400 Höhenmeter in rund 4 Stunden zu bewältigen.

Oben auf der Anhöhe nach 4 Stunden Aufstieg auf ca. 3.900 m Höhe angekommen gabelte sich der Weg – links auf der Anhöhe war ein kleineres Kloster, rechts führte er uns zu unserem Adventurecamp in einer Mulde liegend, welches schon vorbereitet war. Ganz in der Nähe waren auch ein paar Yakhirten, mit süßen kleinen Hunden.

Mit der Mama und dem Papa von den beiden Hundezwergen habe ich mich sofort angefreundet, es war schon ein tolles Gefühl, mit 2 ausgewachsenen Tibet-Mastiffs zu spielen und herumzutollen. Diese großen Tibethunde verteidigen ihren Herrn und seine Yakherde gegen Bären, Wölfe und machmal auch gegen Tiger oder Schneeleoparden.

Schade nur – die Sprachbarriere.

Die Romantik des Lagers mit Lagerfeuer, Hunden, Pferden und Yaks,- die immer wieder sehr rustikal durch unser Adventurecamp durchkreuzten,- sowie der schöne Sternenhimmel, wäre wohl nur schwer noch zu überbieten gewesen. Dazu kamen noch die schönen bhutanischen Lieder, die aus einem Aussenlautsprecher des Klosters zu uns herunter schallten.

Wie sich später herausstellte, handelte es sich dabei um den Nationalradiosender, dessen Programm man so auch nach Außen übertrug. Am nächsten Tag besuchten wir zuerst das Kloster, danach wanderten wir kilometerweit durch alte mystische Rododendrenwälder und andere interessante Landschaftsbilder.

Wie aus dem nichts tauchte so zwischendurch auch ein Trupp Militärs mit wichtig aussehenden Bhutanern auf Pferden auf. Einer blieb bei mir stehen und sprach kurz mit mir – es war einer der Prinzen des Landes!

Er hatte kurz zuvor meinen Vater begegnet, der ein Stück hinter mir wanderte. Der Prinz sagte am Ende unseres Gesprächs: Take care of your father, he looks pretty tired! Einerseits aus Respekt, andererseits einfach nur durch die Verblüffung verzichtete ich den Prinz zu fotografieren.

Unser zweites Camp schlugen wir in einem kleinen Tal auf, welches durch einen Fluss in zwei Hälften getrennt wurde. Wir legten nach unserer Ankunft ein kleines Nickerchen ein und bald darauf wurden wir auch schon wieder vom exotischen Duft unseres Abendessens geweckt. Danach wurde das Lagerfeuer entfacht, wobei wir unseren Spaß mit der Crew hatten – es wurden abwechselnd österreichische und bhutanische Volkslieder gesungen! Weiter mit unserem Guide Nima am Feuer sitzend und Figuren im Feuer deutend, zog sich die Nacht noch lange.

Der Morgen brachte zwei Überraschungen. Es hatte geschneit – wenn auch nur ein bisschen. Was zur Folge hatte, dass mein Vater beim ersten Verlassen des Zeltes am Weg zur Pipibox eine Zelt-Dachlawine in der Unterhose hatte.

Zweitens hatten mein Vater und ich – der eine mehr der andere weniger – erste Anzeichen von Höhenkrankheit. Appetitlosigkeit, leichtes Schwindelgefühl und leichte Aphatie trat bei uns auf. Immerhin befanden wir uns in knapp 4.000 Meter Höhe.

Wir ,- mein Dad und ich,- beschlossen, mit einem Mann der Crew einfach das Tal von Chimina den Fluß entlang hinunter zu gehen und mit dem Taxi weiter nach Thimpu zu fahren. Gesagt getan. Der Abstieg war sehr schön – immer am Fluss entlang kamen wir an einem kleinen romantisch gelegenen Dzong und alten Bauernhäusern vorbei, sowie an einem wunderschön gelegenen Bogensportplatz.

An genau diesem Bogensportplatz fanden wir dann auch die abgestellten Fahrzeuge des königlichen Konvois. Einige Militärlastwägen und auch der private Landcruiser des Prinzen, mit dem Kennzeichen äBhutan 17“. Wir hielten ein kurzes Schwätzchen mit den anwesenden Chauffeuren, auch hier erkannte man uns sofort an unseren KTM-Outfits als die Motorradreisen-Veranstalter der Himalayan Adventures mit Sitz in Thimpu.

In Thimpu machten wir es uns im Hotel Riverview gemütlich. Am nächsten Tag kamen auch schon die anderen über den Berg zu uns getrekkt und das Sightseeing in Bhutans Hauptstadt Thimpu konnte beginnen. Wir begannen mit einem Besuch in einem kleinen Gesundheitszentrum, in dem die Naturmedizin gepflegt wird, Christian und Günter unterzogen sich einem Gesundheitscheck, nur aufgrund der Pulsdiagnose erkennt der behandelnte Arzt sofort das Problem, die entsprechenden Kräuter werden sofort kostenlos verabreicht.

Wir besichtigten weiters einige Handicraftshops sowie die Schule in der die Dinge produziert wurden, welche in diesen Shops verkauft werden. Die Palette reicht über kunstvollste Schnitzereien, Stickereien, Malereien, feinste Webarbeiten in Baumwolle und Seide und filigrane Schmuckarbeiten. Die Vielzahl der wunderschönen Exponate bestätigen das hohe Maß an Kunstfertigkeit der Bhutaner, es ist schon erstaunlich, was dieses kleine Himalayavolk bis heute an Kunsthandwerk hervor gebracht hat und Gott sei Dank auch weiterhin pflegt.

Auch ein altes Bauernhaus-Museum und eine Papierfabrik wurden besichtigt.

In ersterem war es sehr interessant zu betrachten, wie sich das Leben früher hier abgespielt hat, jeder Raum hatte seine klare Bestimmung, die Großfamilie schlief in einem Raum zusammen, Privatatmosphäre gab es nicht damals.

In der Papierfabrik wird heute noch aus der Rinde eines ganz bestimmten Baumes handgeschöpftes Papier hergestellt.

Der nächste kleine Höhepunkt war die Besichtigung der großen Landesbibliothek, jeder dar hier Einsicht in alle Bücher nehmen, auch das größte Buch der Welt kann bestaunt werden. Ungefähre Größe ist 3x2 Meter! Hier haben wir auch eine kleinere Statue des Bhutangründers Shabdrung betrachten können nebst eines Konterfeis des 68. Je Kenpo, des obersten Geistlichen der Sekte der Kayjüpas.

Mittlerweile befindet sich der 70. Je Kenpo inseiner aktuellen Reinkarnation.

Nun gabs ein gutes Mittagessen im nahen königlichen Golfclub, ein 9 Loch Platz, direkt neben den malerischen Regierungsgebäuden,- dem Tashi Cho Dzong gelegen. Auch hier war das Essen ausgezeichnet, eher ein bisschen milder als sonst wo gekocht. Auch die Athmosphäre hat uns gefallen. Beim nächsten Bhutanbesuch werde ich hier eine Runde gehen, Leihsets sind vorhanden.

Wir begaben uns auf den nahen Aussichtspunkt, um ein paar Fotos zu schießen und warfen einen Blick auf das seltene Nationaltier Takin in einem nahen Gehege.

Ebenfalls durften wir das älteste Kloster Thimpus besichtigen, wobei wir auch gleich einem Mönch bei seinen Gebeten und Rezitationen Gesellschaft leisteten durften.

Als weiteren kulturellen Fixpunkt dieses Tages besuchten wir den einmalig schönen Memorial-Chorten, der zu Ehren des 3. Königs, des Vaters des jetzigen Herrschers von seiner Witwe 1972-74 erbaut wurde. Man hat abermals einen herrlichen Rundblick über Thimpu von seinen Dächern.

Nun war es Zeit, den Tashi Cho Dzong,- das Regierungsgebäude zu besuchen, dies ist täglich ab 17 Uhr möglich, wenn dann dort die Amtsgeschäfte ruhen. Wir standen dort und bestaunten dieses großartige architektonisch Ensemble, welch ein Meisterwerk, das ebenso von Shabdrung und seinen Gefolgsleuten im 16. Jhdt. errichtet wurde.

Gegenüber befindet sich das Parlament, soeben wurde eine neue Konstitution vom König festgeschrieben, der die Macht in den nächsten Jahren schon an das Volk übergeben wird. Welch ein mutiger Schritt auf dem Weg zu einer konstitutionellen Demokratie.

Nicht zuletzt muß ich noch den geringen bzw. angenehmen Verkehr in Thimpu erwähnen, dies ist die einzige Welthauptstadt ohne eine Ampelregelung, lediglich auf 3 Kreuzungen gibt’s Verkehrspolizisten, die in ungemeiner eleganter Art und Weise den Verkehr regeln. Auch deren Minihäuschen ist im authentischen Baustil errichtet.

Für den Abend dieses Tages hatte sich Kinley etwas ganz besonderes ausgedacht, er hatte ins Abend-Restaurant eine 8-köpfige bhutanesische Musik und Tanzgruppe eingeladen, die für unsere Unterhaltung sorgte.

Gegen Ende dieser sehr schönen als auch authentischen performance wurde wir 5 Österreicher zum Tanz geholt, es war ein echter Spaß für alle.

Am nächsten Morgen fuhren wir zurück nach Paro – zum Tshecho, einem Maskentanzfest, welches in seiner Farbenpracht und Lebendigkeit wirklich bezaubernd war und nur schwer mit anderen vergleichbaren Festen weltweit zu überbieten sein wird.

Speziell die Weiblichkeit hatte sich in ihren schönsten Kiras eingefunden. Kiras sind die Wickeltücher der Frauen, die in mühe- und liebevoller Heimarbeit gefertigt werden, für die kostbarsten Kiras in Reinseide werden bis zu 2 Jahre Handarbeit investiert.

Wir sind nun also auf diesem Tshechu (gesprochen Zetschu) tausenden von hübschen Bhutanerinnen in ihren schönsten Kiras begegnet. Welch ein Anblick! äDschö dscharum du…..“ war die Frage, die wir des öfteren einer der vielen hübschen Bhutanerinnen stellten,- in Übersetzung ä du bist sehr schön, dürfen wir dich fotografieren? Alle Gefragten haben jeweils sofort freudig bzw. charmant zugestimmt bzw. haben sie unsere Frage immer richtigerweise als Kompliment aufgefasst.

Die Männer tragen ihren schönsten Gho gleich uns, dieser ist vergleichsweise etwas einfacher ausgeführt, es gibt sie auch in Rohseide oder auch aus Brokatstoff.

Die 1200 Jahre alten Tanzaufführungen waren sehr interessant und höchst eindrucksvoll.

Diese religiösen Maskentänze gehen wiederum auf den kostbaren Meister Padmasambava zurück, der damals beim ersten Tanzfest alle anwesenden Dämonen besiegt hat, er hatte sich zuletzt als Garuda (ein klauenbewehrter Göttervogel) auf den stärksten Dämon in der Figur eines Schneelöwen herabgestürzt und diesen nebst allen anderen besiegt.

Am vorletzten Tag des Tshechus erscheint Padamsambava in einer übergroßen bzw. zürnenden Gestalt, auf diesen damaligen Kampf errinnernt. In unserem Verständnis als ein Samson der bhutanesischen Mytologie.

Als es dann aber leider zu regnen begann, zogen wir uns in den schützenden Dzong zurück, um gleich wieder Bekanntschaften zu schließen. Viele bhutanische Familien hatten ihre Picknicks dabei und machten sich darüber her. Wir hatten zwar kein Picknick, jedoch einen schönen Teppich aus eigener Produktion mit dabei. Und so hatten wir es trotz des unschönen Wetters wieder relativ gemütlich und warm.

Es dauerte nicht lange, bis ich bald schon die wirklich nette Gesellschaft von 3 jungen hübschen Bhutanerinnen machte, wir konnten uns sehr gut auf Englisch unterhalten. Nachdem den Mädels nach geraumer Zeit etwas zu kalt wurde, habe ich mich kurzerhand in die Mitte gesetzt, die Weiblichkeiten sind dann ganz zwanglos links und rechts herangerutscht, wir haben uns ohne irgendwelche Resentiments gegenseitig gewärmt. Natürlich unter den strengen Augen von Kinley! Hahahaha.

Gegen abend zurück im Resort genossen wir unser zweites und letztes Hotstonebath und schliefen wie die Murmeltiere.

Der Tag darauf brachte den Abschluß des Festes, eine riesengroße Tanka wurde um 2 Uhr 30 früh ausgerollt, die die komplette Fassade eines Nebengebäudes des Dzongs einhüllte. Diese Darstellung des kostbaren Meisters wird nur einmal im Jahr für wenige Stunden gezeigt und kein Sonnenstrahl darf darauf kommen.

Wie durch Zauberhand wurde das viele Millionen Euro teure Rollbild von einer großen Wolke gegen die aufgehende Sonne abgeschirmt und dann alsbald um ca. 7 Uhr früh aufgerollt. Dies war der Abschluß des heurigen Paro Tshechus.

Für uns begann die Fahrt nach Puentsholing im Süden des Bhutan gelegen. Zuerst fuhren wir bis zur Passhöhe, wo wir unsere KTM-Fahrräder vom begleitenten Pickup nahmen. Ich nahm dann gleich hinten am Wagen auf der Ladefläche platz und machte meine Video-Kamera bereit. Nun haben wir vier tapfere Radfahrer, welche die ewigen Kurven gen Puentsholing befahren auf Video-Band. Zwischendurch kamen wir am Chucka-Tshecho vorbei und kurzzeitig wurde es auch schon ziemlich eng auf der Ladefläche des Pickups. Da wir eine etwas größere Familie per Anhalter mitnahmen, (Transportmittel sind rar während der Tshechus) hatte ich meine Müh und Not den Wissensdurst der Jüngeren der Familie zu stillen. Aber sie waren recht nett und sprachen alle Englisch.

Irgendwann Bhutaner ab- Fahrräder aufgeladen, legten wir noch die letzten Kilometer auf Bhutans Highway Number One zurück. Vom letzten Checkpoint vor der Stadt sind mir noch die außergewöhnlich kleinen und süßen Bananen in Errinnerung, die wir dort beim Stop vernaschten.

Puentsholing war nicht gerade mein Geschmack – eher tropisch erinnerte es mich stark an Indien. Kein Wunder, da die indische Grenze ja mitten durch die Stadt verlief.

Im Hotel Druk nahmen wir unser Abendessen zu uns und stießen noch mit einem Farewelldrink an bevor ich mich erschöpft in mein Bett fallen ließ. Im beigeschlossenen Foto kann man gut erkennen, wie es aussieht, wenn ich mich todmüde aus dem Gewand schäle. Ein echtes Spaßfoto für meinen Dad. Leider hat mir die hier vorhandene Air-Condition zu einem heftigeren Schnupfen verholfen, an dem ich einige Tage laborierte.

Dann trennten sich unsere Wege. Kinley brachte unsere Freunde aus Wien nach Bagdogra (Indien) zum Flughafen; mein Vater und ich wurden von unserem Chauffeur Wangdy zurück nach Thimpu gefahren.

Dort abends angekommen wurde natürlich auch gleich wieder geschlafen. Am nächsten morgen jedoch ging’s ab zu Kinleys Haus und ran an die KTM-Motorräder. Es dauerte einige zeit, bis ich das System mit den 5 Gängen im Griff hatte. Dann lief jedoch alles wie geschmiert und wir fuhren zu dritt ( Dad, Kinley und ich) nach Punakha zum dortigen Krönungs-Dzong. Kurve an Kurve bahnten wir uns unseren Weg auf einsamem Asphaltband. Sehr anstrengend für den ersten Tag Motorradfahren. In Punakha fuhren wir sogar einige Meter offroad und auch über die 140 Meter lange Hängebrücke, die eigentlich für Fußgänger gedacht war. 160 Kilometer am ersten Tag. Mein Körper verspannt sich heute noch wenn ich daran zurückdenke.

Der nächste Tag war im Gegensatz dazu recht unspektakulär. Wir haben übrigens beim Frühstück in der Swiss bakery auf einen netten Plausch den Karma getroffen, der letztes Jahr in Klesheim in der ITH war. Die Hälfte des Tages brachte ich damit zu, einen Roman zu lesen (Mein Dad und Kinley waren beschäftigt mit Besprechungen im Headquarter der Himalayan Adventures in Thimpu). Im Anhang einige Fotos von dort.

Die andere mit neu gewonnenen bhutanischen Freunden aus Thimpu, um letzteres unsicher zu machen. Kaum zu glauben wie nett alle Bhutaner sind. Ich wurde auf sämtliche Getränke, Speisen und auch auf das Taxi von ihnen eingeladen. Recht lustig fand ich, welche Musik gerade so aktuell bei der Jugend im Bhutan ist – Summer of 69 war eindeutig auf Platz eins.

An diesem letzten Morgen in Thimpu konnten wir noch eine halbe Stunde bei einem grandiosen Bogensportturnier beiwohnen. Heute wurde mit dem traditionellen Bambusbogen samt Bambuspfeilen auf die Standarddistanz von 140 Metern !!! geschossen. Jeder Schuß wird je nach Erfolg sofort mit Jubelschreien oder auch Puhrufen abgerundet, im Falle eines Hits gibt’s sofort einen synchronen Freudentanz der erfolgreichen Mannschaft. Pikantes Detail am Rande: jeweils 2 Bogenschützen knien jeweils neben der Scheibe,- diese hat eine Höhe von ca. 70 cm und eine Breite von ca. 30 cm,- um so ihrem Mannschaftskollegen eine bessere Zielansprache zu ermöglichen. Sobald der Pfeil von der Sehne schnellt, macht man im Bedarfsfall einen eleganten Schritt zur Seite um dem Pfeil auszuweichen.

Das besondere Erlebnis für uns, als Abschluß unserer Bhutanreise diesem malerischen Bogenturnier beiwohnen zu dürfen, wird noch lange in uns nachwirken. Außerdem haben wir hier die fixe Idee geboren, ab kommenden Herbst 2005 die weltweit allerersten Bogensportreisen in den Bhutan anzubieten.

Anschliessend fuhren wir die langen und kurvenreichen Kilometer nach Puentsholing wieder zurück, mein Dad fuhr zumeist selbst den neuen Toyotabus, wir verbrachten dort eine letzte Nacht im Hotel Central und fuhren am darauf folgenden Tag nach Bagdogra, wie unsere Freunde drei Tage zuvor. Vorbei an blühenden Teefeldern, heiligen Kühen und jeder Menge Indern, was mein Gesamtbild über Indien wieder ein bisschen aufbesserte.

Nebst vielen neuen Eindrücken,-lustig fand ich die Frau eines Motorradfahrers, die sich während der Fahrt im Damensitz auf dem Rücksitz die Nägel feilte – natürlich ohne Helm am Kopf. Das dazugehörende Baby wurde am Tank transportiert.

Am sauberen Flughafen von Bagdogra trafen wir noch eine Tante von Kinley samt ihrem Mann, wir haben die Wartezeit zusammen verplaudert. Auch der Flug nach Delhi mit Yet Air war sehr angenehm und das Personal sehr höflich. Top Service.

In Dehli wurden wir wieder von Captn Raaj Kumar abgeholt, zu einem Abendessen mit vorhergehender Stadtrundfahrt in Dehli eingeladen. Wir möchten nächstes Jahr mit Raaj eine gemeinsame Reise über Tibet bis in die Mongolei veranstalten. 12 Self-Drive-Jeeps und unsere 7 österr. Ktms. Alsbald mussten wir wieder zum Internation Airport Indira Gandhi aufbrechen, das dortige mitternächtliche Prozedere war nicht wirklich lustig bzw. anstrengend. Der Flughafen in Dehli wirkt etwas schmuddelig für uns, die Abwicklung dort wird von den Indern eher bürokratisch und für uns ermüdend abgehandelt.

Delhi – Wien dauerte ziemlich lange und war sehr ermüdend, was damit endete dass ich mit halbvoller Almdudlerdose in der Hand einschlief und mit leerer Dose aufwachte. Tja…der Rest befand sich auf meiner Hose.

In Wien dauerte es nicht einmal eine halbe Stunde, dann stiegen wir auch schon wieder in den Flieger nach Salzburg. In den aktuellen SN wurde witzigerweise gerade ausführlichst auf Seite 3 über den Besuch der österr. Außenministerin im Bhutan berichtet.

Wir wurden wieder von meiner Mutter herzlich am Salzburg Airport empfangen und fuhren dieselbe Strecke, die wir zwei Wochen zuvor gekommen waren, nach Hause zurück.

Jetzt, da bin ich zwar froh wieder zu Hause zu sein, doch genauso freue ich mich schon auf meine nächste Reise ins Königreich des bhutanesischen Donnerdrachen.



Gerald Mayer
English version
Travel report Gerald Mayer
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Reiseberichte aus dem Jahr 2005

Im Jahr 2005 haben wir verschiedene Reisen in den Himalaya abgehalten, die Themen Motorrad, Fahrrad, Trekking und Kultur standen im Vordergrund. Lesen sie nachfolgend von unseren Erlebnissen.( <-- eine Seite zurück )
Reiseberichte aus dem Jahr 2005

Im Jahr 2005 haben wir verschiedene Reisen in den Himalaya abgehalten, die Themen Motorrad, Fahrrad, Trekking und Kultur standen im Vordergrund. Lesen sie nachfolgend von unseren Erlebnissen.( Inhaltsverzeichnis )
Reiseberichte aus dem Jahr 2005

Im Jahr 2005 haben wir verschiedene Reisen in den Himalaya abgehalten, die Themen Motorrad, Fahrrad, Trekking und Kultur standen im Vordergrund. Lesen sie nachfolgend von unseren Erlebnissen.( nächste Seite --> )
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Unsere Termine 2006 für Reisen im grandiosen Himalaya, in Bhutan, Tibet, usw.

Nebst unseren diversen Reiseplanungen 2006 im Königreich Bhuten, planen wir für die Sommermonate insgesamt 4 Motorradreisen ins Hochland von Tibet zum Mt. Kailash, nach Lhasa und ins Everest Basecamp.
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