Motorrad Reisebericht von Heinz EngelmannVor genau 12 Jahren war es, als ich in einer unruhigen Minute meiner selbst beschloss, mit Siegfried Mayer nach Nepal zu reisen, um andere Kulturen kennenzulernen.
BHUTAN SEPTEMBER 2003 Vor genau 12 Jahren war es , daß ich in einer unruhigen Minute meiner selbst, beschloss mit Siegfried Mayer nach Nepal zu reisen, um andere Kulturen und Völker kennenzulernen. Mit dem Motorrad schien es mir eine gute Gelegenheit, ohne dem, auch in Nepal schon vorhandenen äMassentourismus“ auf die Berge, Land und Leute so gut als möglich kennenzulernen. Und so wie ich es damals geschafft hatte, bei einheimischen Hochzeits- Zeremoniellen eingeladen worden zu sein, genauso suchte ich auch jetzt wieder diese Nähe. Also war es für mich eine schöne Idee, mich bei Siegfried für die erste Motorradtour anzumelden, die er mit seinen eigenen Motorrädern durchführen wollte. Auch war Bhutan eine interessante Herausforderung. Also ging es ab mit dem Flugzeug zuerst von Linz, wo unser Hannes gleich einmal die Sicherheitskontrolle auf die Probe stellte und versuchte acht Stanley Messer, die unbeabsichtigt zwischen die Farbstifte für das Österreicher Dorf gerutscht waren, an der Security vorbeizuschmuggeln. Übrigens ohne Erfolg. Später haben wir uns noch bis auf die Unterhose ausgezogen , weil die Nieten unserer Wanderschuhe oder die Gürtelschnallen einen Alarm auslösten. Der 11. Sept. hatte also seine Spuren gezogen. Nach einem angenehmen Flug von Wien nach Kathmandu, wo wir uns dann auch als Gruppe etwas näher kennen lernen konnten, trafen wir in Kathmandu ein. Eine unheimliche Stille empfing uns. Kein Autolärm, keine Abgase, pure Ruhe. Es war ein Generalstreik der Maoisten angeordnet und alle hielten sich daran . Mit dem hoteleigenen Bus konnten wir das Hotel Dwarika erreichen. Ein Hotel, wie man es mitten in Kathmandu wohl kaum erwartet hätte. Sauberste Zimmer, einen Hotelpool, Restaurant und alles in dem alten authentischen Stil des nepalesischen Urvolks der Newaris. Ein Erlebnis besonderer Art. Doch da wir nicht zum Zimmerliegen nach Asien gefahren sind, beschlossen wir noch am selben Tag, die Bodnath Stupa und Pashu Patinat zu besuchen. Bodnath als einer der heiligsten Stupas und Pashu Patinat als die Verbrennungsstätte der Hindus. Vor zwölf Jahren habe ich hier meine Einstellung zu Tod und Sterben geändert und sehe beides nicht mehr als Feind an. Aufgrund des Streiks machten sich Tom und ich dann am zweiten Tag zu Fuß quer durch Katmandu auf den Weg zum Swayambunath oder "Affen Tempel“. Swayambunath ist eines der ältesten Heiligtümer Nepals und steht weithin sichtbar auf einem Hügel Kathmandus. Die 365 Stufen beim Aufstieg gingen bei fast 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit ganz schön in die Beine. Aber dadurch, das wir alles zu Fuß erwandern mussten, kamen wir auch in von Touristen wenig besuchte Stadtteile. Mit einem Tag Verspätung konnten wir dann mit Bhudda Air vom Regionalflughafen Kathmandu unsere Reise in Richtung Bhutan fortsetzen. Wenn auch der Flughafen Bhadrapur an der indischen Grenze nicht wirklich unseren Vorstellungen westlicher Standards entsprach, so wurde das Flugzeug aber trotzdem sicher gelandet. Mit einem "modernen“ Bus und nach fünf Stunden Fahrt, die nur durch eine Unstimmigkeit an der Grenze – immerhin waren wir durch den Streik einen Tag länger in Nepal, als unsere Visa erlaubten, und durch eine sehr gutes, wenn auch einfaches Essen unterbrochen gelangten wir nach Puentsholing / Bhutan. Dort empfing uns unser Führer Kinley Tshering. Er erledigte alle Grenzformalitäten, wie wir im übrigen aufgrund der gesamt sehr gut organisierten Reise keinerlei Wartezeiten und Störungen auf uns nehmen mussten. Ein wunderbares erstes, wie immer scharf gewürztes Abendessen rundete diesen Tag ab. Dann die Übernahme der Motorräder. Kinley hatte sie auf einem Pickup nach Puentsholing bringen lassen. Ein kurzer Check und eine grosse Überraschung. Nicht nur, das sämtliche Motorräder tadellos komplettiert schienen, erschien der "District Gouverneur“ – quasi Landeshauptmann - um uns zu unserer ersten Motorradreise durch Bhutan Glück und Unfallfreiheit zu wünschen. Eine besondere Ehre für unsere kleine österreichische Gruppe. Die ersten Kilometer auf Bhutans Strassen waren zur Eingewöhnung auf den Linksverkehr langsam angegangen worden und sehr bald stellte sich heraus, daß mit Hannes und Martin, die eher wenig Motorraderfahrung hatten, zwei Naturtalente mitgekommen sind. Die Strassen Bhutans, die meist asphaltiert sind, lassen allerdings aufgrund ihrer Kurven keine hohen Spitzengeschwindigkeiten zu, was mir als Fotograf natürlich wieder zugute gekommen ist. So konnte ich manchmal extra stehenbleiben und hernach die Motorradgruppe wieder mit etwas mehr Speed einholen, was mir von Siegfried die schmeichelhafte Bezeichnung äwilder Hund“ (hahahahaha) eingebracht hat. Hier zeigten sich allerdings die Vorzüge der KTM´s, die neben einer hervorragenden Stassentauglichkeit auch die nötige Federung und Motorisierung vorzuweisen haben. Unfehlbar sind diese "Mofas“ natürlich auch nicht, was uns eine Reifenpanne an Martins Maschine zeigte. Nach einigen kurzen Zwischenstopps und einer "Jausenpause“, wo ich auf den Geschmack einer Bhutan Spezialität gekommen bin – Momos,- eine Art Fleischknödel mit scharfer Sosse – haben wir Thimpu erreicht. Die Hauptstadt Bhutans. Gleich aufgefallen ist mir, daß hier alle Menschen eine einheitliche Kleidung anhaben. Männer den Gho und Frauen die Kira. Beides eine Art Kleid, das sich nur durch unterschiedliche Farben und Muster, nicht jedoch durch den Schnitt unterscheidet. Die Bhutaner sind angehalten, diese Kleidung zu tragen, damit ihre Kultur hinsichtlich Bekleidung so gut als möglich erhalten bleibt und gelebt wird. Drei Tage wunderschöner Landschaft, herzlichster Menschen, eindrucksvoller Bauwerke und vieler herrlicher Motorradkilometer später mussten wir allerdings schon wieder Abschied nehmen. In Erinnerung wird mir allerdings das Zeltlager bleiben, , das uns leider verregnet wurde. Trotzdem war es ein Erlebnis, wie Bhutaner und Österreicher gemeinsam am Lagerfeuer sitzen und gegenseitig einheimische Lieder besser oder schlechter vorsingen. Auch das es äBruder Jakob“ in Bhutan als Volkslied gibt und wir somit einen Kanon gemischt in Deutsch, Bhutanesisch und Französisch singen konnten, war einfach herrlich! Von Paro aus flogen wir mit einem vierstrahligen! Mini-Jumbo vorbei an einer Szenerie, die nicht viele Menschen in dieser Form sehen werden. Dem Himalaya Massiv. Zuerst dachten wir, das uns die Wolken die Sicht verstellen werden , aber wir und vor allem Sigi wurden für eine tadellose Organisation und als Abschluss einer sehr schönen Reise belohnt. In Kathmandu angekommen, konnten wir noch einmal die Ruhe und Schönheit des Dwarikas geniessen. Eine besondere Überraschung, die keiner erwartet hatte, war noch ein herzlicher Empfang im Schul-projekt des entstehenden Österreichdorfs durch die Schulkinder und Lehrer. Es wurden Lieder gesungen, nepalesische Tänze in Originaltrachten aufge-führt, Ansprachen gehal-ten und den Österreichern für deren Einsatz in Nepal gedankt. Die mitgebrachten "Kleinigkeiten“ ließen die Kinder in einer Art strahlen, die man bei unseren Kindern häufig schon vermisst. Danke an Kinley und Nima "Lauser“ für die gute Führung und Verpflegung. Danke allen Mitreisenden, Siegi, Rainer, Tom, Martin und Hannes für die gute Gemeinschaft und eine unfallfreie, erlebnisreiche Woche. |
