Reisereferenz von Christian Weingartner

Der Bhutan: Ein Land voller Exotik und angenehmen Überraschungen, mit einsamen Wegen durch zerklüftetes Gebirge, Klöstern, die einem zum Staunen bringen, freundlichen Menschen und ungewöhnlichen Bräuchen. Wer dorthinreist, kommt in einer anderen Zeit an. Wer heimreist, will wieder hin.

Reisereferenz von Christian Weingartner
Der Bhutan: Ein Land voller Exotik und angenehmen Überraschungen, mit einsamen Wegen durch zerklüftetes Gebirge, Klöstern, die einem zum Staunen bringen, freundlichen Menschen und ungewöhnlichen Bräuchen. Wer dorthinreist, kommt in einer anderen Zeit an. Wer heimreist, will wieder hin.

Christian Weingartner links im Bild mit Tshering Dorje, damals Richter in Thimphu.



Nachfolgend lesen Sie Impressionen meines Aufenthalts im Bhutan einmal anders: als kurzen, literarischen Ausflug in eine uns fremde, aber faszinierende Welt.



Drachengrinsen



Der Empfang war sehr unkonventionell. Männer in morgenrockähnlichen, gemusterten Gewändern, grinsten mit roten Zähnen in Richtung Flughafen-Ausgang. Den weißen Seidenschal der Begrüßung umgehängt, wurden wir hofiert. Noch immer haftete das rote Lächeln an uns, geboren aus einer drogenähnlichen Paste aus Betelnuss und Kalk, die gekaut wird.

Tsherings bhutanesischer Willkommenstee floss die Kehle hinunter wie geschmolzener Schnee durch zerklüftetes Himalayagebirge.

Der Tag danach: Busstaub wirbelte durch eine Landschaft, mongolisch angehaucht. Die Festung, angekettet zwischen Himmel und Berg. Grün und saftig. Schwertbeladene Reiter der Geschichte tauchten am Horizont auf. Tsering schritt als König der Vagabunden den himalayagetränkten Himmel entlang. Eselherden trieben ihre Hüter durch die holzenen Dörfer. Vollgepackt mit buddhistischgeschwängerten Zeichen der Insichgekehrtheit.

Zwischen den Dzongs trieb die Unbeirrbarkeit bunte Blüten. Gelbrot beleuchtet driftete die Stadt nun gegen Abend hinunter in die Getreidefeldebene, wo Schnitter sich in der Dämmerung auflösten. Mönche hängten sich ein in den Fels des Auserwähltseins. Dünn besiedelte Wege liefen ins Herz des Landes. Nadelbäume streckten ihre Zungen in die hügelige Brust der Umgebung.

Der Abend: Mit einem Buddha Lächeln saß Richter Tshering Kinley unter dem Konterfei des Königs auf einem Stuhl im Wohnzimmer. Gekleidet in morgenmantelähnliches Gewand. Kniefrei, mit langen Socken und schwarzen Schuhen. Am Tisch gesalzener Tee mit geschmolzener, ranziger Yak-Butter. Gewöhnungsbedürftig für europäische Zungen. Richter Kinley grinste und palaverte. Draußen spürte man die Abendsonne das Kloster von Tashichoe in philosophisches Licht tauchen. Adler kratzten den Bauch des Himmels. Fluss und Berg schienen ins Gebet vertieft. Ein Schluck Ara für die Nacht. Als Symbol einer sich anbahnenden Freundschaft.

Nächster Mittag: Der Flughafen mit dem Gesicht eines Gebetstempels. Schritte tönten in einen windigen Tag. Über Timphu lag zum Abschied das Grinsen des Drachen.

Christian Weingartner, Bhutan, 2002
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